Schonende Röstung und hervorragendes Aroma

Kaffeemarkt: Was geschah letzte Woche – und wohin geht die Reise?

Von Philip von der Goltz

Was für eine Woche – einfach verrückt. In über 25 Jahren Kaffeewelt habe ich so etwas noch nicht erlebt. Würde man die Gesundheit eines Marktes wie die eines Herzens per EKG messen, läge der Verdacht nahe, dass Patient KCU26 gerade einen Herzinfarkt erleidet. Für die Preisausschläge der vergangenen Woche am Kaffeemarkt gibt es nur ein Wort: brutal.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:

Ein kurzer Blick auf diese Ausschläge – und jeder Kardiologe ließe den Patienten mit Blaulicht einliefern.

Aber der Reihe nach: Was hat diese enormen Schwankungen induziert? Was ist der Grund für eine Bewegung von historischer Dimension? Was wurde in unseren Analysen der letzten Wochen übersehen oder falsch gewichtet? Fragen über Fragen – und nur eine Antwort: Silentium…

Ein kurzer Blick auf das bereits Bekannte:

Der viele Regen in Brasilien verzögert nach wie vor die Ernte. Zum Vergleich: Im letzten Jahr lag der Erntefortschritt zu diesem Zeitpunkt bereits bei 60 Prozent, heute stehen wir bei geschätzten 52 Prozent. Hinzu kommt, dass die brasilianischen Farmer derzeit wenig Neigung zum Verkaufen zeigen. Die Unsicherheiten des „Super El Niño“, gekoppelt mit der außergewöhnlichen Finanzkraft der Farmer, geben ihnen die Möglichkeit, abzuwarten und zu taktieren. Bisher geht ihre Rechnung auf. Und ja, dann gibt es noch die theoretische Frostgefahr: Wir befinden uns mitten im brasilianischen Winter, doch die unabhängigen Meteorologen geben derzeit Entwarnung an der Wetterfront.

Die zertifizierten Arabica-Börsenbestände liegen bei 366.756 Sack – der niedrigste Stand seit zweieinviertel Jahren. Auch das ist nicht wirklich neu, aber definitiv ein Grund zur Aufmerksamkeit.

Wir bleiben bei unserer Kernaussage: Es gibt genug Kaffee auf der Welt – allerdings (noch) nicht dort, wo er getrunken wird.

Was aber hat dann diese massiven Preisschwankungen verursacht?

Hierzu möchte ich euch gern auf unseren letzten Blog verweisen, in dem weitere Kernplayer der Rohstoffbörsen vorgestellt werden. Denn oftmals sind die Muskeln der Funds und Spekulanten deutlich größer als die des klassischen Kaffeehandels – so auch bei dieser Börsenbewegung. Die Re-Allokation von Cash und die Positionierung der Funds – ob CTAs, Makro- oder rohstoffspezialisierte Hedgefunds, Indexfunds oder passive Rohstoffinvestoren – verursachen diese extremen, ja parabolischen Beschleunigungen. Sie erzeugen eine Art Einbahnstraßen-Volatilität: Heute geht es 50 c/lb nach oben, morgen 32 c/lb nach unten. Und das geschieht nicht allein beim Kaffee, sondern noch extremer an den Kakaobörsen – und ebenso bei Zucker und Orangensaft-Konzentrat.

Bekanntlich folgt auf solche Preisschocks selten schnell ein neues Gleichgewicht – auch das eine unbequeme Lehre aus dem brasilianischen Kaffee-Frost von 1994: Nach dem Schock kamen Monate erratischen Handels, und Jahre später jene Überproduktion, die in die Preiskrise 2000–2004 mündete. Extreme Preise lösen das Problem, das sie signalisieren – aber mit brutaler Verzögerung. Ein Schweinezyklus, dessen peitschenartiger Effekt so zeitversetzt eintritt, dass er mit der eigentlichen Ursache oft gar nicht mehr in Verbindung gebracht wird.

Die Weltgeschehnisse geraten derweil in den Hintergrund. Geopolitik und Kriege, die Straße von Hormus, globale Lieferketten, steigende Rohstoffpreise – all das verliert momentan an Gewicht. Der Fokus liegt auf dem Kaffeepreis, zumindest in unserer kleinen Kaffeeblase: Die Arabica-Preise in New York verabschiedeten sich mit einem neuen Kontrakthoch bei 357 c/lb, einem Wochenplus von 10 Prozent und einer Schlussnotierung von 334,25 c/lb ins wohlverdiente Wochenende.
Auch die Robusta-Preise verzeichneten eine extrem volatile Woche. Sie schlossen leicht im Plus (+3,7 Prozent) und notierten am Freitag bei 3.852 USD/MT.

Und was nun? Es würde mich nicht wundern, wenn die kommenden Tage volatil und ohne klare Richtung bleiben. Managed Money kann seine Positionen innerhalb von Sekunden drehen – und tut das auch. In einer Zeit, in der Algorithmen die Entscheidungen prägen, zählen die Fundamentaldaten der Kaffeewelt weniger als die Ergebnisse komplexer Berechnungen programmierter Black-Box-Modelle. Da fällt es leichter, den nächsten Sieger des Viertelfinales der Fußball-WM vorherzusagen, als die konkrete Richtung der Futures.

KAFFEEMÄRKTE: WORAUS SETZT SICH DER KAFFEEPREIS ZUSAMMEN?

Von Philip von der Goltz

Die vergangenen Wochen und Monate haben sich schwer angefühlt. Die globalen Nachrichten kreisen weiterhin um Kriege – in der Ukraine, in Gaza, im Iran und im Sudan – und um die verheerenden Folgen für die betroffenen Menschen und letztlich für die Weltwirtschaft insgesamt. Die Kämpfe mögen gelegentlich pausieren; die Konflikte selbst leider nicht.

Und genau deshalb möchte ich heute den Blick bewusst verschieben. Weg von hektischen Schlagzeilen und permanenten „Breaking News“-Meldungen. Halten wir inne und stellen eine größere Frage – eine kaffeekritische Frage:

Woraus setzt sich der Kaffeepreis eigentlich zusammen?

Diese Frage ist nicht ganz so einfach zu beantworten, wie man denkt. Die Antwort liegt in nichts Geringerem als im menschlichen Verhalten und den mentalen Denkmustern, die wir alle miteinander teilen. Der menschliche Instinkt nach Sicherheit und Orientierung verführt uns immer wieder in dieselbe Falle: die ständige Suche nach mehr Information.

Eine weitere Schlagzeile. Ein weiterer Bericht. Ein weiterer Marktkommentar. Das ist es, was wir zu brauchen glauben.

Das ist zutiefst menschlich. Die Evolution hat unser Gehirn darauf trainiert, Unsicherheiten frühzeitig zu erkennen und Risiken kontinuierlich neu zu bewerten. Wer früher bemerkte, dass hinter dem nächsten Hügel doch noch ein Säbelzahntiger lauern könnte, hatte schlicht bessere Überlebenschancen.

Doch in der heutigen Hyperwelt voller Breaking News und Social-Media-Blitzmeldungen schafft mehr Information nicht automatisch mehr Klarheit.

Charlie Munger hat einmal gesagt:

„Der große Trick besteht nicht darin, besonders klug zu sein – sondern darin, konsequent zu vermeiden, dumm zu handeln.“

Im Kaffeehandel steckt in diesem Satz eine überraschend große Wahrheit.

Wo beginnt also eine sinnvolle Marktanalyse?

Wer auf die Arabica- und Robusta-Börsen blickt, sollte sich von der Vorstellung einer perfekten mathematischen Formel verabschieden. Kaffee ist kein steriles Laborexperiment. Kaffee ist Biologie, Geopolitik, Psychologie, Logistik, Wetter, Währungssystem und menschliches Verhalten – alles zur gleichen Zeit.

Was wir jedoch tun können: wir können die Preisstruktur in ihre einzelnen Bestandteile zerlegen.

Zu den wichtigsten Einflussfaktoren gehören:

• die physische Verfügbarkeit,
• die Struktur der Terminmärkte,
• Differentials,
• Währungen,
• Wetter- und Klimaeinflüsse,
• Managed Money und spekulative Marktteilnehmer,
• Fracht- und Logistikkosten,
• geopolitische Risiken,
• Konsumentennachfrage
• sowie die globale Lagerreichweite.

Erst das Zusammenspiel all dieser Faktoren bestimmt letztlich den Kaffeepreis. Betrachten wir den Markt daher etwas systematischer.

Beginnen wir mit der physischen Verfügbarkeit.

In den vergangenen Monaten haben große Banken, internationale Brokerhäuser und lokale Exportorganisationen zunehmend – und nahezu einstimmig – auf eine große brasilianische Ernte hingewiesen. Gleichzeitig haben auch andere Ursprungsländer wie Vietnam, Äthiopien und Uganda bereits starke Ernten eingefahren.

Die ökonomische Logik dahinter ist vergleichsweise simpel: Hohe Preise schaffen Anreize. Produzenten investieren mehr, intensivieren das Farmmanagement und erweitern ihre Anbauflächen.

Unsere aktuelle Schätzung zur globalen Kaffeeproduktion:

Besonders interessant wird der Vergleich mit der Nachfrage. Der weltweite Konsum liegt derzeit bei rund 175 Millionen Sack und damit knapp 10 Millionen Sack unter der geschätzten Produktion. Rein mathematisch betrachtet müssten sich die globalen Lagerbestände im Verlauf der zweiten Jahreshälfte daher wieder etwas aufbauen.

Auch die Terminmärkte in New York und London spiegeln diese Erwartung zunehmend wider.

1-Year Chart Arabica

 

1-Year Chart Robusta

Seit den Höchstständen im Oktober vergangenen Jahres haben beide Märkte um mehr als 20 % korrigiert. Historisch betrachtet notieren sowohl Arabica als auch Robusta jedoch weiterhin auf außergewöhnlich hohen Preisniveaus – teilweise noch immer nahezu 100 % über ihren langfristigen Durchschnittswerten.

Gleichzeitig bleibt die Terminmarktstruktur stark invertiert. Genau diese Inversion verhindert aktuell den Aufbau größerer Lagerbestände in den Konsumländern. Wer Kaffee auf hohen Preisniveaus finanzieren muss, lagert nur ungern „zu viel Hoffnung“ im Warehouse ein.

Differentials: festere Tendenz trotz fallender Börsen

Besonders spannend bleibt derzeit die Entwicklung der Differentials.

Brasilianische Produzenten stehen momentan unter vergleichsweise geringem Verkaufsdruck. Entsprechend fühlt sich der physische Markt in vielen Regionen weiterhin überraschend knapp an. Gleichzeitig hat sich die Nachfrage nach kurzfristig verfügbaren Brasilien-Alternativen weltweit verstärkt – und genau das spiegelt sich in den Differentials wider.

Anders formuliert:

Die Börse wirkt bearish. Der physische Markt dagegen zeigt sich vielerorts erstaunlich robust.

Auch das gehört zur Realität des Kaffeemarktes.

Und was machen die Fonds?

Nachdem Fonds und spekulative Marktteilnehmer im ersten Quartal einen Teil ihrer Long-Positionen liquidiert und Gewinne mitgenommen haben, agieren sie inzwischen deutlich vorsichtiger. Die Positionierung bleibt zwar netto long, die Risikobereitschaft wirkt jedoch wesentlich defensiver.

Im Fokus stehen derzeit vor allem zwei Themen:

• die tatsächliche Größe der brasilianischen Ernte,
• sowie die geopolitische Lage im Nahen Osten.

Beide Faktoren könnten die Marktstimmung jederzeit wieder deutlich verändern.

Wetter bleibt der große Unsicherheitsfaktor

Die globale Wetterentwicklung bleibt weiterhin von zentraler Bedeutung.

Phänomene wie El Niño und La Niña beeinflussen Niederschlagsmuster massiv und können Blüte, Kirschenentwicklung und Erträge erheblich verändern. In diesem Jahr verdichten sich die Hinweise auf ein mögliches El-Niño-Szenario zunehmend. Erste Modelle diskutieren bereits potenzielle Auswirkungen für Brasilien und Kolumbien.

Wie stark diese Effekte letztlich tatsächlich ausfallen werden, kann heute kein seriöser Analyst verlässlich prognostizieren.
Und genau das ist der Punkt:

Die Zukunft wird selten vollständig berechenbar – Risiken lassen sich dennoch strukturiert analysieren.

Logistik: der oft unterschätzte Preistreiber

Auch die globalen Fracht- und Logistikmärkte stehen weiterhin erheblich unter Druck.

Die geopolitischen Spannungen im Nahen Osten treiben Frachtraten nach oben und verlangsamen insbesondere Verschiffungen aus Ostafrika deutlich. Containerknappheit im Inland bleibt vielerorts bestehen, Reedereien verändern fortlaufend ihre Fahrpläne und globale Lieferketten werden zunehmend unberechenbar.
Hinzu kommt die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus. Steigende Energiepreise verteuern nicht nur Seefracht, sondern auch Inlandstransporte, Düngemittel und Energiekosten in den Ursprungsländern.

Mittelfristig entsteht dadurch ein klar inflationäres Umfeld.

Und genau dort beginnt die nächste Herausforderung: der Konsument.

Was passiert mit der Nachfrage?

Verbraucher in Nordamerika, Europa und vielen anderen Regionen der Welt stehen bereits heute unter erheblichem finanziellen Druck. Energie-, Lebensmittel- und Finanzierungskosten bleiben hoch. Viele Haushalte priorisieren ihre Ausgaben zunehmend neu.
Die gute Nachricht für unsere Branche: Kaffee wird weiterhin konsumiert.

Historisch betrachtet verschiebt sich der Konsum in solchen Phasen jedoch häufig innerhalb der Kategorien. Klassische Markenprogramme geraten stärker unter Druck und wandern teilweise in Discount-Kanäle ab, während Premiumsegmente sich oft überraschend stabil zeigen. Kaffee ist eben nicht nur ein Getränk. Für viele Menschen ist Kaffee ein kleines Stück Ritual, Normalität und Verlässlichkeit in einer zunehmend instabilen Welt.

Lagerbestände bleiben „luftig“

Die invertierte Marktstruktur verhindert weiterhin den Aufbau großer Lagerbestände bei vielen Händlern.

Gleichzeitig haben hohe Differentials zertifizierte Börsenbestände zuletzt zu einer attraktiven und vergleichsweise günstigen Bezugsquelle für industrielle Röster gemacht. Entsprechend sinken die zertifizierten Bestände weiter und bleiben historisch betrachtet auf relativ niedrigen Niveaus.

Was bedeutet das nun konkret?

Nachdem wir das aktuelle Marktumfeld nun etwas systematischer betrachtet haben, lassen sich daraus verschiedene Szenarien und Wahrscheinlichkeiten ableiten. Genau damit werden wir uns in einem der kommenden Blogs intensiver beschäftigen.

Für den Moment erscheinen mir jedoch folgende Punkte besonders wichtig:

Trotz weiterhin hoher Preisniveaus könnte die zunehmende Verfügbarkeit der brasilianischen Ernte spätestens ab Ende des dritten Quartals erneut Druck auf die Kaffeepreise ausüben.

Bis dahin erscheint es sinnvoll, Kernqualitäten diszipliniert und in vernünftigen Mengen abzusichern. Gleichzeitig dürfte die Volatilität hoch bleiben. Eine konsequente Hand-to-Mouth-Strategie wirkt aus heutiger Sicht daher weiterhin sinnvoll.

Besonders aufmerksam sollten wir jedoch zwei mögliche „Game Changer“ beobachten:

• die weitere Entwicklung des Iran-Konflikts (Straße von Hormus),
• sowie die tatsächliche Intensität eines möglichen El-Niño-Ereignisses.

Beide Faktoren könnten die Marktstimmung relativ schnell verändern.

Und vielleicht ist genau das die wichtigste Erkenntnis überhaupt: Wir sollten unseren evolutionären Wunsch nach immer mehr Informationen nicht mit echter Orientierung verwechseln.

Erfolgreiche Marktteilnehmer versuchen nicht permanent, die Zukunft perfekt vorherzusagen. Stattdessen bewerten sie ihre aktuelle Position regelmäßig neu, analysieren die einzelnen Preisbestandteile möglichst objektiv – und handeln anschließend diszipliniert, strukturiert und risikobewusst.

 

Aus einer Inspiration wurde eine  Leidenschaft.

Die Leidenschaft KAFFEE

In hauseigener Röstung wird In einem schonenden Verfahren mit Zeit und Hingabe aus den Rohkaffeebohnen erlesener Kaffee, der nach individuellen Bedürfnissen zubereitet und genossen werden kann.

Ich bestelle den Rohkaffee beim Hamburger Kaffeeunternehmen List & Beisler.  Dieses Unternehmen hat eine lange Tradition und bezieht den Rohkaffee aus Zentralamerika, Südamerika, Asien und Afrika.
Das von mir angebotene Kaffeesortiment umfasst Rohkaffee und Kaffeebohnen.

Gerne stehe ich Ihnen beratend zur Seite und heiße Sie herzlich willkommen wenn Sie der Rösterei einen Besuch abstatten möchten. Ich bitte Sie um vorherige Rücksprache.

Sie erreichen mich unter folgender Mobilfunknummer: +49 173 / 35 39 137 oder über das Kontaktformular.

 


 

 

Neu!!!!!

Kaffeekirschentee aus Costa Rica